Jahreslosung für 2019: Suche Frieden und jage ihm nach! Psalm 34,15.

Unterschiedliche Bilder ruft dieses Bibelwort hervor: der Wunsch nach Frieden mit Blick auf die Kriegsherde in dieser Welt. Der Wunsch nach Frieden in meiner Familie und mit meinem Mitmenschen. Oder auch der Wunsch nach innerem Frieden mit mir selbst. Stets im Bewusstsein, dass Frieden immer flüchtig ist.

In Madrid gibt es ein Standbild, das die Stadt dem großen spanischen Dichter Federico Garcia Lorca gewidmet hat. Der Dichter mit der Taube, dem wohl bekanntesten Friedenssymbol. Ob er sie gerade in die Freiheit entlässt, oder ob er sie lieber festhalten will?

Jagd und Suche nach Frieden! Das scheint auf den ersten Blick schlecht zusammenzupassen! Nicht für Garcia Lorca. Er hat ein andalusisches Volkslied überliefert, in dem zum fröhlichen Jagen aufgefordert wird:

Anda jaleo, jaleo;
ya se acabó el alboroto
y ahora empieza el tiroteo.

„Auf zur wilden Jagd, schon ist das Treiben vorbei und jetzt beginnt das Schießen.“

Um gleich in der folgenden Strophe zu singen:

„Taube, flieg nicht aufs Feld hinaus; schau, denn ich bin Jäger, und wenn ich auf dich schieße und dich töte, so wird der Schmerz mein Schmerz sein und das Leid mein Leid.“

Die Bibel fordert uns zum Jagen nach Frieden auf. Denn Frieden kommt nicht von selbst. Frieden findet sich dort, wo man zur Einsicht kommt, dass Gewalt immer Schmerz und Leid hervorbringt, wie bei dem Jäger in Garcia Lorcas Lied. Der Jäger erkennt in der Taube das Mitgeschöpf. Doch gleichzeitig weiß er wohl, dass die Taube seiner Bitte nicht folgen wird. Genau so ahnen wir, dass wir bleibenden Frieden niemals erreichen, weil der Kreislauf der Gewalt kaum zu durchbrechen ist.

Als Christen glauben wir, dass einer dazu wirklich in der Lage war: Jesus Christus. Er hat den Frieden verkündet und der Gewalt nicht widerstanden. Stellvertretend für uns hat er das Leid und den Tod auf sich genommen.

Das macht mich frei, neue Wege zu gehen. Auf die Macht der Liebe zu vertrauen. Die Hand auszustrecken nach der Taube und ihr auf meiner Hand Heimat zu geben. Und dabei zu spüren: Frieden, äußerer wie innerer ist möglich und dies nicht nur in der großen Politik, sondern unmittelbar mit allen, die mir nahestehen. Und wenn ich dem Frieden nachjagen möchte, so bedeutet dies für mich bewussten Verzicht auf Gewalt in Wort und Tat.  Es bedeutet auch, Gutes beim Namen zu nennen und Böses nicht hinzunehmen, Gerechtigkeit herbeizuführen, die Freiheit anderer zu achten und menschlich miteinander zu leben.

So gesehen kann Jagd und Suche nach Frieden gut zusammenpassen und zeigt sich in dem Bild Garcia Lorcas, der zärtlich und hingebungsvoll die Taube in der Hand hält.

In diesem Sinne möchte ich die Aufforderung verstehen: Suche Frieden und jage ihm nach! Möge uns das neue Jahr 2019 Gelegenheit dazu geben.